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»Denk nicht, sondern schau!«

Überlegungen zu Axel Hutters Einführung in die analytische Philosophie
»Sprachanalyse und Metaphysik«

Von Peter Kern
 

»Wenn Philosophie mehr als ein Beruf ist, dann zeigt sie die Gründe auf, die die Sprache zu einem verstümmelten und trügerischen Universum machen.« 
                        (Herbert Marcuse, Der Eindimensionale Mensch)

Die Welt ist alles, was der Fall ist. Den Satz hat man vermutlich schon einmal gehört, selbst wenn einem der Begriff Analytische Philosophie nicht geläufig ist. Er stammt aus Ludwig Wittgensteins Tractatus Logico-Philosophicus. Manch einer ist damit schnell fertig geworden im Bewusstsein, es sei damit alles gesagt: Eine mit dem Zustand der Welt einverstandene, positivistische Lehre, welche hintertreibt, was der Welt nötig wäre, eine an substantiellen Freiheitsrechten wie materieller Gerechtigkeit orientierte Umwälzung der Verhältnisse. Begriffe wie Freiheit, Gerechtigkeit oder Substanz verwirft diese Lehre als Metaphysik; das Wort wird von ihr als Synonym für unwissenschaftliches, gegenstandsloses Gerede genommen.

Dieses Urteil kann schwerlich zutreffend sein, liegt doch eine große Anzahl von Büchern dieser philosophischen Schule vor, in denen die Gegenstände der idealistischen Philosophie keineswegs Anathema sind. Zu dieser Gattung gehört dieses Buch. Der in München lehrende Philosoph, Schüler von Theunissen und Tugendhat, will die der Tradition entstammenden metaphysischen Begriffe mit den Mitteln der Sprachanalyse gleichsam haltbar machen. Das will sicherlich keiner, dem Willensfreiheit und Menschenwürde als unverwertbares gedankliches Sperrgut gelten.

Das Buch ist eine Einführung in die Analytische Philosophie. Ihr liegt die Zeichentheorie der Sprache zugrunde. Die Wörter sind demnach Eigentum einer Sprachgemeinschaft, und, da sie in alle Sprachen übersetzbar sind, gehören sie zum geistigen Bestand der Menschheit. Als ein solcher gemeinsamer Besitz eigne der Sprache Logik; das Wort fungiert als Gegenbegriff zu einer Psycho-Logik, einer psychologischen Sprachauffassung. Die Sprache im Gehirnkasten des Einzelnen verankert zu sehen, sei Unsinn; die Unmöglichkeit einer Privatsprache beweise dies. Jedoch verweise das Ordnungssystem der Sprache keineswegs auf eine Ordnung der Dingwelt. Wäre dem so, käme dem Platonismus ein Recht zu. Die Zeichentheorie dagegen hält die Beziehung der Sprache auf eine transzendente Welt für baren Unsinn.

Zugleich stellt Hutter aber heraus, dass wissenschaftliche Aussagen über physische Dinge das Allgemeine voraussetzen. Denn Identisches verhalte sich gleich. Ein wissenschaftlich sinnvoller Satz, beispielsweise über das Verhalten eines Elektrons, klammere das Einzelne ein, um „auf das allgemeine Wesensmerkmal abzuzielen.“ Hutter verteidigt mit luziden Sätzen eine dem Nominalismus gegenhaltende Weltsicht: „Dass wir uns dergestalt von unmittelbar in der Vorstellung Gegebenen lösen können, um den sprachlich vermittelten Begriff denken zu können, eröffnet uns buchstäblich die Welt objektiver Gegenstände.“ Dann aber kommt die kalte nominalistische Dusche, gibt der Autor doch vor, der wissenschaftliche Begriff sei bloß eine sprachlogische Leistung des Subjekts, dem auf Seiten der Objekte kein allgemeines Wesen entspreche.

Die philosophische Sprachanalyse präzisiert den Sprachgebrauch, wie er dem Common Sense eigen ist und wie er die „Verwirrungen“ der traditionellen Metaphysik zur Folge hat, das ist ihr Anspruch. Sie differenziert dabei zwischen Sinn und Bedeutung eines Wortes. Seine Bedeutung kann durchaus die gleiche sein und der Sinn dennoch verschieden. Dass man unter dem Wort Pferd einmal ein fürs Springreiten benötigtes Sportinstrument und einmal ein dem Ackerbau dienendes Arbeitsmittel versteht, geht auf einen differenten Sinngehalt des Wortes zurück.
Mit Wittgenstein gilt die sprachlogische Analyse der Differenz von Wörtern und Sätzen. Sinnvolle Sätze sind für ihn wie dingliche Sachen, innerweltliche „Sachverhalte“, wodurch der eingangs zitierte Satz von der Welt, die alles sei, was der Fall ist, ein bisschen weniger affirmativ klingt. Nur ein bisschen, muss man einschränken, denn die Oberherrschaft über die Wahrheit eines Satzes obliege der formalen Logik. Etwas könne nicht zugleich wahr und unwahr sein. Mit Wittgenstein lässt sich das Tauschverhältnis, auf dem das Kapitalverhältnis und mit ihm unsere Gesellschaft gründet, jedenfalls nicht denken. Denn wieso tauschen sich Äquivalente, wenn der Tausch doch zugleich das Gleichheitsprinzip verletzt? Wie soll das gehen? Dies sei nur nebenbei bemerkt.

Hutter rekurriert in seinem aus Vorlesungen hervorgegangenen Buch auf die „innovativen Denker, die um die Wende vom neunzehnten zum zwanzigsten Jahrhundert die moderne Philosophie entscheidend geprägt haben.“ Ohne Idolatrie kann man festhalten, was die Leistung des Wiener Kreises und seiner Nachfolger ist: Über Sprache zu sprechen, heißt, in einen unvermeidlichen circulus vitiosus zu geraten. Alle Erläuterungen über Sprache sind sprachlich verfasst; aus der Nummer kommt man nicht raus. Die menschliche Sprache ist unhintergehbar. Mit Wittgenstein lernt der Leser die luzide Unterscheidung verschiedener Satztypen kennen. Ein Aussagesatz über eine physikalische Sache ist von einem anderen Typ als eine Selbstauskunft des Subjekts über seine momentane psychische Verfassung. Aber das Dogma lässt dieses Buch unhinterfragt: Die Sprache sei nichts als ein Regelwerk mit von den Subjekten selbst gesetzten Spielregeln.

Der Verfasser sieht „das große und drängende Problem gelöst, das die Philosophie von jeher beschäftigt hat: Wie können wir mit etwas, das doch auf den ersten Blick ganz anders ist als die Welt – nämlich Sprache – die Welt darstellen oder abbilden? … Die Sprache und die Welt weisen eine analoge Grundstruktur auf. Das, was die Welt ausmacht sind Sachverhalte, das, was die Sprache ausmacht, sind Wortverhältnisse der Sätze; beiden, Sachverhalten und Sätze, liegt dieselbe logische Form zugrunde, dass sich in ihnen Elemente zueinander verhalten und dieses Zueinander-Verhalten eine Einheit bildet. In der Welt nennen wir diese formale Einheit Sachverhalt, in der Sprache nennen wir diese formale Einheit Satz.“ Das sind große Worte, gelassen ausgesprochen.

Die Welt geht demnach im begrifflich Fassbaren auf. Sie lasse sich mit vom Sinneseindruck oder vom Experiment bestätigten Sätzen wahrhaft abbilden. Der Schnee ist weiß, ist so ein wahrer Aussagesatz, ebenso der wissenschaftlich basierte vom resublimierten Wasserdampf und den sechseckigen Molekülen. Ein Abbildvermögen dichtet die analytische Philosophie der Sprache an, denn dieses Vermögen sieht sich von keiner an sich bestimmte Sphäre der Welt begrenzt; das ist das sprachanalytische Dogma. Nach Kant ist das Ding an sich aber eine Denknotwendigkeit, auch wenn es sich mit der Sprache und ihren Begriffen nicht bestimmen lässt. Nach Haag ist diese Sphäre des wesenhaften Allgemeinen die Bedingung, dass Naturwissenschaft überhaupt möglich ist. Der Neukantianismus dagegen erklärt diese Sphäre für null und nichtig. Wittgenstein und mit ihm der Autor dieses Buch halten es mit der immanenten Weltauffassung. Die Welt als geschlossene Anstalt: „Was wir nicht denken können, können wir eben nicht denken.“ Oder mit Wittgenstein: „Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“

Wir lernen aus dem Buch, dass Sachen und wahre Sätze Sachverhalte sind. Die angeführten Beispiele rechnen stets mit dem gesunden Menschenverstand: Ein Stuhl steht rechts vom Tisch und diese Tatsache besteht aus zwei makroskopischen Dingen. Wer diese Tatsache erfasst, fasst einen sinnvollen Gedanken. Der gibt das sprachliche Bild einer Tatsache wieder. Die Wiedergabe erfolgt im Satz. Die Summe aller sinnvollen Sätze ist die Sprache. Die Summe aller wahren Sätze sind die Sätze aller Naturwissenschaften. Schritt für Schritt, wie an der Schultafel, geht es an der Hand der sprachanalytischen Klassiker zu. Die Schlichtheit ist Programm; mit antiakademischem Duktus werden die Topoi der Metaphysik lächerlich gemacht. Das hat schon Herbert Marcuse in seinem Eindimensionalen Menschen notiert.

Die Sprache, so geht es mit Wittgenstein weiter, hat das Vermögen, Sachverhalte abzubilden, aber von dieser Abbildbarkeit der Welt lasse sich selbst kein sprachliches Bild erzeugen. Die Sprache komme an ihre Grenze; es gäbe Dinge, die sich nicht sagen lassen, also Unsagbares. An dieser Stelle gerät der Autor in einen metaphysischen Strudel. Aber der Gefahr entkommt er mit dem zugeworfenen Rettungsring. Mit Wittgenstein wettert er gegen „das uferlose Geschwätz über Mystik“ und geht den „Scheinproblemen der Philosophie“ an den Kragen. Die Sache mit der Sprache sei gar nicht so kompliziert, wie sie Leuten erscheine, denen der gesunde Menschenverstand abgehe.

Der Begriff des Sprachspiels radikalisiert die Zeichentheorie. Anhand des Schachspiels wird dieser Begriff erläutert. Die Wörter sind demnach wie die Spielfiguren auf dem Schachfeld; sie bedeuten so wenig, wie ein Turm oder ein Läufer etwas bedeuten. Die Figuren beim Schach unterliegen bloß den von uns, den Subjekten, gesetzten Regeln. Fehlt eine Figur, lässt sie sich durch einen Hosenknopf ersetzen. Ebenso fungibel seien die Wörter. Die Frage, was ein Wort in dem Bezug auf seinen Gegenstand vertritt, sei so unsinnig wie die Frage, was eine Schachfigur vertritt. Das ist konsequent gedacht im Rahmen einer Philosophie, der das Sein der Dinge identisch mit ihrer Erscheinung ist.

Mit dem Wort vom Sprachspiel polemisieren die Sprachanalytiker gegen eine in ihrem Verständnis verkopfte Philosophie der Sprache. Dass sie funktioniert, reiche doch. Was in der Praxis funktioniere, brauche keinen theoretischen Überbau. Die Begriffe, die die Sprachanalytiker verwenden, sind stets Funktions-, nie Substanzbegriffe. Nur nicht das ganze Thema verkomplizieren, rufen sie uns zu. Sie nehmen sich selbst an die Kandare: „Denk nicht, sondern schau“, heißt es bei Wittgenstein.

Mit dem Wort vom Sprachspiel schlägt das Buch, und das kommt doch ziemlich überraschend, eine Brücke zu einem emphatischen Begriff der Freiheit. So wie wir frei seien, uns die Regeln eines Spiels zu geben und diese wieder zu ändern, so seien wir auch frei, unser Leben zu führen und zu ändern. Wir können also zum Beispiel Professor an der Ernst-Ludwig-Universität in Schwabing werden, dann haben wir das Sprachspiel Sprache analysieren gewählt. Wir können in München Haidhausen Pakete ausfahren, dann haben wir das Spiel, Pakete ausliefern gewählt. Eine unangebrachte Polemik? Der Switch von der Sprachanalytik zur Willensfreiheit scheint dem Rezensenten kurzschlüssig und unangebracht.

Ein Kapitel des Buchs lautet Sprachanalyse als Therapie. Das Versprechen lautet: „Wir müssen nicht so leben, wie wir leben.“ Mit dem späten Wittgenstein setzt der Autor sich vom frühen ab. „Metaphysik im schlechten Sinn entsteht, wenn Philosophen unkritisch die naturwissenschaftliche Methode imitieren und genuin metaphysische Fragen nach Art der Wissenschaften durch Erklärungen und Zurückführungen beantworten wollen.“ Endlich, atmet der Leser auf, bekommt er einen kritischen Gedanken entfaltet. Dann aber liest er vom therapeutischen Vermögen der Philosophie, die „die Unklarheiten und Verschwommenheiten unserer Sprache wie Knoten löst.“ Die Grenze zwischen Naturwissenschaften und Philosophie kann man demnach passieren, aber jenseits der Grenze sieht es aus wie davor: Die Welt ist alles, was der Fall ist. Aus dem Labyrinth soll es kein Entrinnen geben.

Der mit einer Art Masochismus durchgehaltene Konformismus der Analytischen Philosophie fällt ins Auge: „Es gibt nicht mehr oder weniger wertvolle Tatsachen. Tatsache ist Tatsache.“ Und: „Ethische Sätze sind von Haus aus unsinnig.“ Dennoch gibt sich der Konformismus nonkonformistisch, wenn er vom Unsagbaren handelt. Das Unsagbare sei das Unbestreitbare, „das sich freilich nicht aussprechen lässt.“ Was ist der Nutzen einer Ethik, die weder Sinn hat, noch und eine moralische Tafel kennt?

Dann kommen Sätze wie dieser: „Dort, wo der betriebsame Lärm des Streits und des Geredes verklingt, in der Stille einer Pause, wird das Unbestreitbare hörbar.“ Man geht wohl nicht fehl, ein existentialphilosophisches Raunen zu vernehmen. Es schwillt in dem der „Selbsterkenntnis des Ich“ gewidmeten Kapitel an. Dabei beginnt es ganz harmlos: Das Ich, das Tatsachen registriert und beim Betrachten eines alten Passfotos bemerkt, dass es einmal Haare auf dem Kopf hatte, sei ein anderes Ich als das Selbst, das feststellt, es habe Zahnschmerzen. Einmal bewege es sich in der Welt der uns begegnenden Realitäten, ein anderes Mal in einem Jenseits dieser Welt. Das zweite sei ein „metaphysisches Ich“ und dieses besitze eine „eigentümliche Ungreifbarkeit.“ Es sei „das Selbst, das sich in der Selbsterkenntnis selbst zur Frage wird“. Von ihm heißt es ultimativ: „Das metaphysische Subjekt ist kein Teil der Welt.“ Dies zu begreifen, „kann eine befreiende Wirkung auf unsere Selbsterkenntnis haben.“

Von einer etwas ausgeklügelten Reflexion (wieso sind Zahnschmerzen metaphysischer und nicht physischer Art?), switcht Hutter zu einer Metaphysik der Moral, die jeden veranlassen soll, von der „eigentümlichen Ungreifbarkeit“ des eigenen Selbst auf die nämliche Verfasstheit seines Mitmenschen, nein, mehr noch, auf die Unangreifbarkeit des anderen Selbst zu schließen. Es geht ihm mit Kant um den „unbedingte(n) Wert, den wir Würde nennen.“ Aus einer sprachlogischen Untersuchung soll ein an der Würde des Einzelnen orientiertes moralisches Handeln folgen, aber Hutter kann dies nicht zeigen. (Dass er auf Habermas‘ Diskursethik, die sich mit dem Nämlichen abmüht, nicht rekurriert, sei in Klammern vermerkt). Er kann dies nicht, weil der analytische Begriff des Sprachspiels ein Fallstrick ist. Wir erinnern uns: Wörter haben ihren Sinn im Rahmen eines Sprachspiels. Sprachspiele gibt es mehrere; sie sind unter keinen Begriff zu subsumieren. Alle sind mithin als gleich geltend zu werten. So kann die Würde einer Person dort, wo das chinesische oder sagen wir das russische Sprachspiel ausgetragen wird, ein Wort ohne Sinn, vielleicht gar eines der Anmaßung sein.

Von der „Freiheit der Person“ handelt das vorletzte Kapitel. „Diese Freiheit“, schreibt Hutter, „ist nicht eine zufällige Eigenschaft der Person, sondern ihre Bestimmung: dasjenige, was sie zur Person macht; dasjenige, was ihr einen unbedingten Wert, d. h. Würde verleiht.“ Das Wort Bestimmung irritiert im Text eines Sprachlogikers, klingt doch ein theologischer Begriff an. Dabei sind die an der Phänomenologie orientierten Reflexionen über die zu unterscheidende Willens- und Handlungsfreiheit sehr erhellend. Stecken sie einem doch ein Licht auf über die Verfassung von Zeitgenossen, die ihrer „eigenen Willensfreiheit aus dem Weg (gehen)“ und sich dabei auf ihren familiär geprägten Charakter herausreden. Wie aber entschlüsselt der Münchner Philosoph das „Rätsel der Willens- oder Charakterfreiheit“? Hier verblüfft er den Leser, denn er präsentiert eine Frankfurter Lösung. Wir realisieren unsere Freiheit, wenn es gelingt, unserem identischen Ich „zu entkommen.“ Das klingt nach Kritischer Theorie und ihrem Nichtidentischen.

Der zitierte Gedanke stammt tatsächlich von einem Frankfurter, dem US-Amerikaner Harry Gordon Frankfurt, ein Philosoph, vom Autor dankenswerter Weise vorgestellt. Der hat eine Philosophie der Langeweile geschrieben, die er, und mit ihm Hutter, für eine existentielle Bedrohung halten. Langeweile bleibt wie eine leere, verschmutzte Gussform zurück, wenn Metaphysik keine Geltung mehr hat. Das ist eine erstaunliche Erkenntnis am Ende einer sprachlogischen Untersuchung. Im Schlusskapitel geht die Philosophie auf Tuchfühlung mit der Soziologie. Hutter porträtiert das Dasein der Mitglieder einer entwickelten Angestelltengesellschaften. Ihre Lebensnot ist gestillt, der Urlaub zweimal im Jahr gesichert, das tolle Auto läuft als Jahreswagen über die Firma und mit dem Fondssparplan sind noch die finanziellen Sorgen des Alters passé. Und dennoch stellt sich kein Lebenssinn ein. Nüchtern registriert der analytische Philosoph die immaterielle Not auf hohem materiellem Niveau, aber den Balken im eigenen Auge, den sieht er nicht. Die sprachlogische Philosophie wird der Leere nicht inne, die sie selbst erzeugt, indem sie die naturwissenschaftlich erfassbare Welt zum Ganzen erklärt. Sie will Teil der Lösung sein, ist aber Teil des Problems. Als es noch eine Kritische Theorie gab, verstand man den Positivismus als die Philosophie der bürgerlichen Naturbeherrschung.

Artikel online seit 20.02.26
 

Axel Hutter
Sprachanalyse und Metaphysik
Eine Einführung in die moderne Philosophie
C. H. Beck
263 Seiten
26,00 €
978-3-406-82346-6

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